Kurz vor seinem 68. Geburtstag starb Anfang November Klaus Holzkamp, Professor für Psychologie in Berlin, "Vater" der Kritischen Psychologie und einer der inspirativsten linken Intellektuellen der alten Bundesrepublik. Seine Person manifestiert ein Stück Wissenschaftsgeschichte, seine persönliche und politische Biographie liest sich wie ein Almanach jener Achtundsechziger, die ihr politisches Engagement zu einer Lebensaufgabe gemacht haben. Dabei war Klaus Holzkamp bereits ein etablierter Professor, hatte sich als Experimentalpsychologe auf dem Gebiet der Wahrnehmungs-, Denk- und vor allem der Sozialpsychologie Anerkennung in der Scientific Conununity erworben, als die Wellen der Studentenbewegung ihn schließlich auch ergriffen. Zu wissenschaftstheoretischen Fragen der Psychologie hatte er mehrere vielbeachtete Bücher ("Theorie und Experiment in der Psychologie", "Wissenschaft als Handlung") geschrieben, als kritische Studentinnen und Studenten ihn vom Hochschullehrer zum Lernenden machten, ihn mit dem Marxismus in Kontakt brachten. Frigga und Wolfgang Fritz Haug zollte er die Anerkennung, ihn in das "Kapital" von Marx eingeführt zu haben. Schon als Liberaler nahm er die Forderungen der Studierenden nach eigenständigen Möglichkeiten des Ausprobierens ernst und unterstützte sie durch die Übernahme der Verantwortung für den "Schhülerladen rote Freiheit".
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.