Ausgabe Dezember 1995

Zum Tode von Klaus Holzkamp

Kurz vor seinem 68. Geburtstag starb Anfang November Klaus Holzkamp, Professor für Psychologie in Berlin, "Vater" der Kritischen Psychologie und einer der inspirativsten linken Intellektuellen der alten Bundesrepublik. Seine Person manifestiert ein Stück Wissenschaftsgeschichte, seine persönliche und politische Biographie liest sich wie ein Almanach jener Achtundsechziger, die ihr politisches Engagement zu einer Lebensaufgabe gemacht haben. Dabei war Klaus Holzkamp bereits ein etablierter Professor, hatte sich als Experimentalpsychologe auf dem Gebiet der Wahrnehmungs-, Denk- und vor allem der Sozialpsychologie Anerkennung in der Scientific Conununity erworben, als die Wellen der Studentenbewegung ihn schließlich auch ergriffen. Zu wissenschaftstheoretischen Fragen der Psychologie hatte er mehrere vielbeachtete Bücher ("Theorie und Experiment in der Psychologie", "Wissenschaft als Handlung") geschrieben, als kritische Studentinnen und Studenten ihn vom Hochschullehrer zum Lernenden machten, ihn mit dem Marxismus in Kontakt brachten. Frigga und Wolfgang Fritz Haug zollte er die Anerkennung, ihn in das "Kapital" von Marx eingeführt zu haben. Schon als Liberaler nahm er die Forderungen der Studierenden nach eigenständigen Möglichkeiten des Ausprobierens ernst und unterstützte sie durch die Übernahme der Verantwortung für den "Schhülerladen rote Freiheit".

Dezember 1995

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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