Ausgabe Februar 1995

Unternehmen Tornado

Unvollständige Chronologie einer außenpolitischen Grundsatzentscheidung

I

"Die Anfrage oder Voranfrage, was immer es ist, es ist jedenfalls eine Anfrage nach einem Eventualfall, und für einen Eventualfall ist es eine Verschlußsache. Und über Verschlußsachen berichten wir nicht im einzelnen." Regierungssprecher Dieter Vogel, Bundespressekonferenz, 12. Dezember 1994 I Veränderungen, auch grundlegende, vollziehen sich in diesem allmählich zur B e r l i n e r R e p u b l i k mutierenden Land auf eine ganz eigentümliche Art und Weise: Sie passieren, obwohl niemand sie so richtig forciert, was auch überflüssig ist, weil kaum einer nach Leibeskräften opponiert; das Umfeld registriert bestenfalls, erspart sich aber so gut wie jede Aufregung. Das Land ist, so eine im Kern zutreffende Beobachtung, "in einem Übergang begriffen, der eher wie ein Zustand anmutet, weder etwas Halbes noch etwas Ganzes das kann einem Furcht einjagen." 1) Die Entfremdung von der a l t e n B u n d e s r e p u b l i k ist gewollt und macht Fortschritte.

Was die internationale Neujustierung anbelangt, so ist der amtierende Minister des Auswärtigen zuverlässigster Indikator für Geschwindigkeit und Tiefgang der Veränderungen.

Februar 1995

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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