Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind gut, besser, am besten. Deutsche Politiker und Diplomaten betonen es, vor allem seit der Zeitenwende von 1989, derart inbrünstig, daß man mißtrauisch werden darf. Das nordatlantische Militärbündnis, das nebenbei eine politische Wertegemeinschaft war, steht heute in einem völlig veränderten geopolitischen und vor allem geoökonomischen Kontext. Politiker der Kriegs- und Flakhelfer-Generation wie Bush und Kohl haben sich noch als partners in leadership gesehen, und ältere Kulturkämpfer wie Samuel Huntington pochen auf Gemeinsamkeiten der westlichen Zivilisation gegenüber dem Islam und sog. "asiatischen Werten" . Der nachwachsenden Generation von Entscheidungsträgern in Washington, erst recht in Seattle oder Atlanta, ist die Ende der 40er Jahre geschlagene Atlantikbrücke Anathema. Jüngste US-Besuche deutscher Spitzenpolitiker wie des Bundespräsidenten Roman Herzog und des Kanzlerkandidaten in spe Gerhard Schröder sind bloß Phototermine für die deutsche Presse. Die amerikanische Öffentlichkeit nimmt davon genausowenig Notiz wie die Eliten, für die die einstigen Musterschüler der westlichen Allianz derzeit kaum mehr sind als Fußtruppen im amerikanisch geführten Marsch in die Globalökonomie.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.