Ausgabe August 1997

Um die Hegemonie in Fernost

Zwei Themen beherrschten die Debatte über Hongkongs Rückkehr unter chinesische Souveränität: Menschenrechte und Mutmaßungen über die künftige geopolitische Rolle Chinas. Beide Themen lenken von den eigentlichen politischen Problemen der Region, die den Beginn des 21. Jahrhunderts dominieren werden, völlig ab. Die gegenwärtige Debatte kreist um die Frage, ob China das Menschenrechtsverständnis westlichen Stils, wie es der letzte britische Gouverneur, Chris Patten, in Hongkong eingeführt hatte, respektieren wird. Die Antwort kann nur lauten: Nein. Diese Konzeption individueller Rechte untergräbt nicht nur das momentane chinesische Regierungssystem, sie verstößt auch gegen die politischkulturellen Vorstellungen fast der ganzen Region. Ist China die kommende Supermacht? Die Idee, daß China sich anschicke, den USA machtpolitisch den Rang streitig zu machen, geht auf einen umstrittenen Weltbankreport von 1992 zurück, der Chinas Wirtschaftswachstum mit Hilfe von Kaufkraftkategorien prognostiziert - also indem verglichen wird, was auf den örtlichen Märkten jeweils wieviel kostet. Dies ist jedoch kein angemessenes Mittel, internationale Machtvergleiche vorzunehmen.

August 1997

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema