Ausgabe Juli 1997

Die Malaise mit dem Nazi-Raubgold

Die öffentliche Auseinandersetzung über das NS-Raubgold, speziell über die Rolle der Schweizer Banken bei Übernahme und Transferierung dieses Goldes in den internationalen Geldmarkt, hat sich zu einer der großen Debatten über die NS-Zeit entwickelt. Zu den Besonderheiten dieser Diskussionen gehört, daß sie soziale Normen zu umreißen versuchen und dabei nicht nur Licht auf die Geschichte werfen, sondern auch auf die Zeit, in der sie geführt werden. Daher stößt das Thema in der Regel auch nicht allein deshalb auf so großes Interesse, weil neue Fakten bekannt geworden sind. Vielmehr verweisen die Reaktionen der Öffentlichkeit auf die gewachsene gesellschaftliche Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Problematik einzulassen. Die Motive der einzelnen Beteiligten können allerdings ganz unterschiedliche sein.

Natürlich bedarf es spezieller Anstöße: Juden aus Osteuropa hatten erst in den letzten Jahren die Möglichkeit, in der Schweiz Anfragen nach dem Verbleib von Vermögen zu stellen, die bis 1945 dort deponiert worden waren. Die arrogante Art, in der sie abgefertigt wurden, machte die Notwendigkeit einer allgemeinen Interessenvertretung deutlich. Schließlich hat der World Jewish Congress diese Funktion übernommen.

Juli 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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