Ausgabe Juli 1997

Die Malaise mit dem Nazi-Raubgold

Die öffentliche Auseinandersetzung über das NS-Raubgold, speziell über die Rolle der Schweizer Banken bei Übernahme und Transferierung dieses Goldes in den internationalen Geldmarkt, hat sich zu einer der großen Debatten über die NS-Zeit entwickelt. Zu den Besonderheiten dieser Diskussionen gehört, daß sie soziale Normen zu umreißen versuchen und dabei nicht nur Licht auf die Geschichte werfen, sondern auch auf die Zeit, in der sie geführt werden. Daher stößt das Thema in der Regel auch nicht allein deshalb auf so großes Interesse, weil neue Fakten bekannt geworden sind. Vielmehr verweisen die Reaktionen der Öffentlichkeit auf die gewachsene gesellschaftliche Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Problematik einzulassen. Die Motive der einzelnen Beteiligten können allerdings ganz unterschiedliche sein.

Natürlich bedarf es spezieller Anstöße: Juden aus Osteuropa hatten erst in den letzten Jahren die Möglichkeit, in der Schweiz Anfragen nach dem Verbleib von Vermögen zu stellen, die bis 1945 dort deponiert worden waren. Die arrogante Art, in der sie abgefertigt wurden, machte die Notwendigkeit einer allgemeinen Interessenvertretung deutlich. Schließlich hat der World Jewish Congress diese Funktion übernommen.

Juli 1997

Sie haben etwa 62% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 38% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo