Ausgabe Juli 1997

Die Malaise mit dem Nazi-Raubgold

Die öffentliche Auseinandersetzung über das NS-Raubgold, speziell über die Rolle der Schweizer Banken bei Übernahme und Transferierung dieses Goldes in den internationalen Geldmarkt, hat sich zu einer der großen Debatten über die NS-Zeit entwickelt. Zu den Besonderheiten dieser Diskussionen gehört, daß sie soziale Normen zu umreißen versuchen und dabei nicht nur Licht auf die Geschichte werfen, sondern auch auf die Zeit, in der sie geführt werden. Daher stößt das Thema in der Regel auch nicht allein deshalb auf so großes Interesse, weil neue Fakten bekannt geworden sind. Vielmehr verweisen die Reaktionen der Öffentlichkeit auf die gewachsene gesellschaftliche Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Problematik einzulassen. Die Motive der einzelnen Beteiligten können allerdings ganz unterschiedliche sein.

Natürlich bedarf es spezieller Anstöße: Juden aus Osteuropa hatten erst in den letzten Jahren die Möglichkeit, in der Schweiz Anfragen nach dem Verbleib von Vermögen zu stellen, die bis 1945 dort deponiert worden waren. Die arrogante Art, in der sie abgefertigt wurden, machte die Notwendigkeit einer allgemeinen Interessenvertretung deutlich. Schließlich hat der World Jewish Congress diese Funktion übernommen.

Juli 1997

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