Am 21. September 1997 entschieden die Bürger der Republik Polen zum dritten Mal seit der demokratischen Wende in freier Wahl über die Zusammensetzung der beiden Kammern (Sejm und Senat) ihres Parlaments. Dabei scheiterten die Meinungsforscher wieder einmal am polnischen Wahlvolk. Einen so hohen Sieg der Wahlaktion Solidarnosc (AWS) hatten die professionellen Auguren nicht vorausgesagt. Noch bis zuletzt rechneten die Experten allerorts mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen AWS und SLD, der Demokratischen Linksallianz. Das für sie überraschende Ergebnis erklärten die Sozialforscher damit, daß viele Polen sich erst in der letzten Woche vor dem Wahlsonntag für "ihre" Partei entschieden hätten. Zu den Urnen gingen knapp 48% der Berechtigten. Bei den ersten freien Wahlen 1991 waren es 43% gewesen, und 1993 lag die Wahlbeteiligung bei 52%. Dieses Mal wurde die Öffentlichkeit noch tagelang nach dem Wahlsonntag mit der falschen Information versorgt, die Wahlbeteiligung habe die Rekordhöhe von 59% erreicht. Die Auswerter hatten das Ergebnis einer Wojewodschaft einfach auf das ganze Land übertragen. Auch durch die Verzögerung der Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses bis Donnerstag (25.9.) wegen des Durcheinanders bei der Auszählung im hauptstädtischen Wahlkreis Nr. 1 hatten sich die Organisatoren nicht mit Ruhm überhäuft.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.