Ausgabe November 1997

Polens Suche nach einer neuen Mitte

Am 21. September 1997 entschieden die Bürger der Republik Polen zum dritten Mal seit der demokratischen Wende in freier Wahl über die Zusammensetzung der beiden Kammern (Sejm und Senat) ihres Parlaments. Dabei scheiterten die Meinungsforscher wieder einmal am polnischen Wahlvolk. Einen so hohen Sieg der Wahlaktion Solidarnosc (AWS) hatten die professionellen Auguren nicht vorausgesagt. Noch bis zuletzt rechneten die Experten allerorts mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen AWS und SLD, der Demokratischen Linksallianz. Das für sie überraschende Ergebnis erklärten die Sozialforscher damit, daß viele Polen sich erst in der letzten Woche vor dem Wahlsonntag für "ihre" Partei entschieden hätten. Zu den Urnen gingen knapp 48% der Berechtigten. Bei den ersten freien Wahlen 1991 waren es 43% gewesen, und 1993 lag die Wahlbeteiligung bei 52%. Dieses Mal wurde die Öffentlichkeit noch tagelang nach dem Wahlsonntag mit der falschen Information versorgt, die Wahlbeteiligung habe die Rekordhöhe von 59% erreicht. Die Auswerter hatten das Ergebnis einer Wojewodschaft einfach auf das ganze Land übertragen. Auch durch die Verzögerung der Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses bis Donnerstag (25.9.) wegen des Durcheinanders bei der Auszählung im hauptstädtischen Wahlkreis Nr. 1 hatten sich die Organisatoren nicht mit Ruhm überhäuft.

November 1997

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