Ausgabe Oktober 1997

Die unmögliche Hochschulreform: Einen Engelskreis in Gang setzen

Einen Engelskreis in Gang setzen

"Alle Seiten haben sich bewegt", beruhigte der bayerische Kultusminister die Enttäuschten und Unzufriedenen bei der Vorstellung des Entwurfs zum neuen Hochschulrahmengesetz. Tatsächlich aber sind die meisten angepeilten Neuerungen (neue Abschlüsse, Deregulierung, Credit Points, Evaluation) bereits an verschiedenen Universitäten eingeführt oder in der Erprobung. Und wirkliche Neuheiten wie hochschuleigene Auswahlverfahren sind so halbherzig ausgefallen, daß man an ihrer Nützlichkeit zweifeln muß. Die wirklich grundsätzliche Frage nach Studiengebühren, die dringend diskutiert und beantwortet werden müßte, hat man konfliktscheu ausgeklammert. Die einen wollen sie per Gesetz verboten sehen, die anderen fürchten "Wettbewerbsverzerrung", wenn man es den Ländern überlassen würde, über Gebühren zu entscheiden. Konsens scheint unmöglich zu sein, eine echte Reform der deutschen Hochschule auch. "Ich denke, da ändert sich erstmal gar nichts", kommentierte Klaus Borchard, Rektor der Universität Bonn, das neue HRG. Universitäre Eignungsprüfungen sind nicht nur für viele Wissenschaftsminister wie Nordrhein-Westfalens sozialdemokratische Status-quo-Verwalterin Anke Brunn ein rotes Tuch. Der Philologenverband mag sie auch nicht, weil sie angeblich dem Abitur abträglich sind.

Oktober 1997

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten, verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.