Ausgabe Oktober 1997

Für ein Europa der Nationen und Regionen

Supergeld - Superstaat?

Wie einen Blitz schleudert Jack Lang, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der französischen Nationalversammlung, sein leidenschaftliches Plädoyer für die Vereinigten Staaten von Europa den ermatteten Bürgern und Politikern Europas entgegen. Fast schon altmodisch wirken dagegen die Worte des großen englischen Politologen des 18. Jahrhunderts, Edmund Burke: "Politische Ordnungen können nicht am Reißbrett entstehen. Man muß sie wachsen lassen." Auch die Feststellung Vaclav Havels, die Regierungen könnten das geeinte Europa nicht erschaffen, wenn nicht die Unterstützung der Menschen vorliege, macht sich dagegen ein wenig beckmesserisch aus. Wir müssen jetzt konsequent den großen Sprung nach vorne wagen, meint Jack Lang. Nicht mittels einer neuen Regierungskonferenz, sondern durch eine verfassungsgebende Versammlung, die von einer geeigneten Persönlichkeit "in aller Diskretion, abseits der Fernsehkameras" vorzubereiten sei. Da werden sich die europäischen Bürger freuen, wenn ihnen die Last des eigenen Nachdenkens so bequem durch einen weisen Führer abgenommen wird! Jack Lang konstatiert, Europa verharre in seinen alten Vorstellungen, kaum fähig, sich der Zukunft zuzuwenden. Dagegen würden in den USA 60% der neuen Arbeitsplätze durch neue Unternehmen mit Spitzentechnologie geschaffen.

Oktober 1997

Sie haben etwa 24% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 76% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.