Mehr als fünf Jahre ist es her, daß die Algerierinnen und Algerier zum erster Mal an demokratischen Wahlen teilnehmen durften. Da sie sich damals mehrheitlich für die "Falschen", d.h. die islamistisch orientierte Front Islamique du Salut (FIS) entschieden, wurde die Wahl vom Militär annulliert, der zweite Wahlgang abgesagt, am 12. Februar 1992 der Ausnahmezustand verhängt und einen Monat später die FIS verboten. Seitdem befindet sich das Land im Bürgerkrieg, der nach Angaben aus internationalen Quellen mehr als 80 000 Todesopfer forderte, nach algerischen Quellen sind es mehr als doppelt so viele. Hinzu kommen Tausende von Gefolterten und "Verschwundenen" 1) Als die Militärs intervenierten, taten sie dies unter dem Motto "Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie!", für deren Hüter sich die algerischen Streitkräfte offensichtlich halten. Tatsächlich bildet die Armee seit Erlangen der Unabhängigkeit die Quelle der Macht des algerischen Staates. Dessen Legitimität stützt sich auf die bewaffnete Aktion. Der Primat der Militärs erklärt sich aus der historischen Entwicklung. Innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung gelang es den auf militärische Aktionen bedachten Kräften, die Oberhand zu gewinnen.
Als der Direktor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Ghebreyesus, am letzten Maiwochenende das Epizentrum des derzeitigen Ebola-Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo besuchte, war dies ein verzweifelter Akt.