Mehr als fünf Jahre ist es her, daß die Algerierinnen und Algerier zum erster Mal an demokratischen Wahlen teilnehmen durften. Da sie sich damals mehrheitlich für die "Falschen", d.h. die islamistisch orientierte Front Islamique du Salut (FIS) entschieden, wurde die Wahl vom Militär annulliert, der zweite Wahlgang abgesagt, am 12. Februar 1992 der Ausnahmezustand verhängt und einen Monat später die FIS verboten. Seitdem befindet sich das Land im Bürgerkrieg, der nach Angaben aus internationalen Quellen mehr als 80 000 Todesopfer forderte, nach algerischen Quellen sind es mehr als doppelt so viele. Hinzu kommen Tausende von Gefolterten und "Verschwundenen" 1) Als die Militärs intervenierten, taten sie dies unter dem Motto "Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie!", für deren Hüter sich die algerischen Streitkräfte offensichtlich halten. Tatsächlich bildet die Armee seit Erlangen der Unabhängigkeit die Quelle der Macht des algerischen Staates. Dessen Legitimität stützt sich auf die bewaffnete Aktion. Der Primat der Militärs erklärt sich aus der historischen Entwicklung. Innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung gelang es den auf militärische Aktionen bedachten Kräften, die Oberhand zu gewinnen.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.