Ausgabe September 1997

Ausbildung im Aus

In keiner politischen Sonntagsrede wird derzeit versäumt, sowohl die Verantwortung für die junge Generation als auch den "Standortfaktor Qualifikation" zu beschwören. Die Realität auf dem Ausbildungsmarkt sieht anders aus. Knapp 70% der Schulabgänger und Schulabgängerinnen streben 1997 einen Platz im dualen Berufsausbildungssystem - Lehre im Betrieb, Bildung in der Berufsschule - an. Im gesamten Bundesgebiet sind es im Juli über 730 000 Bewerber um Ausbildungsplätze. Ende Juli waren nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit bei den Arbeitsämtern im Juli noch 217 000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gemeldet, während lediglich 86 000 freie Lehrstellen zur Verfügung standen. Sogar der zuständige Minister und notorische Schönredner Jürgen Rüttgers (CDU) bezeichnet die Lage auf dem Lehrstellenmarkt als "schwierig und angespannt". Wie bereits seit einigen Jahren haben auch 1997 die Bewerber zugenommen (8%), während bei den Ausbildungsplätzen abgebaut wurde (-3%).

In der Gesamtbetrachtung kommen auf 10 Bewerber bundesweit 7,5 Ausbildungsplätze; im Osten sogar nur 4,5. Der vielfach vorgebrachte Einwand, daß es ja noch unbesetzte Stellen in anderen Regionen gibt, zieht nicht. In 175 von insgesamt 184 Arbeitsamtsbezirken suchten im Juli mehr Jugendliche eine Lehrstelle, als offene Stellen registriert waren.

September 1997

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