Mit ihrem Sieg bei den indischen Parlamentswahlen hat die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) den vorläufigen Höhepunkt ihres erstaunlichen Aufstieges zur stärksten politischen Kraft erreicht. Sie regiert heute in sieben von 26 Bundesstaaten, stellt nun schon zum zweiten Mal die größte Fraktion im indischen Unterhaus und mit großer Wahrscheinlichkeit auch den zukünftigen Premierminister. Spitzenkandidat der BJP war der charismatische A.B. Vajpayce. Er gilt als Gemäßigter und wird über die Parteigrenzen hinaus respektiert. Groß aber ist die Angst, daß Vajpayce nur die Maske ist, hinter der sich die Fratze eines aggressiven Hindutums verbirgt, das Indien in seinen Grundfesten zu erschüttern droht. Unvergessen bleibt der 6. Dezember 1992, als Tausende fanatisierter Hindus, aufgehetzt von jahrelanger Propaganda der Hindunationalisten, die Babri-Moschee im nordindischen Ayodhya stürmten und dem Erdboden gleichmachten, um an ihrer statt einen Tempel für den mythischen Gottkönig Ram zu erbauen. Die Welle der Gewalt, die dadurch ausgelöst wurde, gehört zu den dunkelsten Kapiteln des modernen Indien.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.