Ausgabe Januar 1998

Hochschulen in Bewegung: Auswege aus der Misere

Mit der seit 20 Jahren größten Studentendemonstration am Regierungssitz – 40 000 Studierende kamen nach Bonn – erreichten die Hochschulproteste am 27. November einen vorläufigen Höhepunkt. In den Tagen danach schlossen sich weitere Universitäten dem Vorlesungsboykott an. Im Oktober hatten die „Blätter“ eine Diskussion über Hochschulmisere und Hochschulreform eröffnet. Dem folgt nun, geprägt von den aktuellen Ereignissen, ein zweites Paket von Stellungnahmen, das sich mit Zielen und Perspektiven der Bewegung befaßt.

(Vgl. auch „Dokumente zum Zeitgeschehen“.) – D. Red.

 

Eigentümlicherweise wird unser Land regelmäßig im Abstand von ziemlich genau zehn Jahren von einer studentischen Protestbewegung überzogen. Jede dieser Bewegungen kann als Ausdruck eines spezifischen Entwicklungsstandes der bundesdeutschen Hochschulpolitik verstanden werden.

Die Mutter aller Revolten – 1968 – war zwar in erster Linie eine studentische Bewegung, sie wandte sich aber sehr viel intensiver gegen den Vietnamkrieg oder gegen die Notstandsgesetze als gegen den Muff unter den Talaren der Ordinarienuniversität. Dennoch trug sie ganz maßgeblich zur Schaffung des bildungspolitischen Reformklimas der frühen 70er Jahre bei. Doch von nun an führten die Studierenden nur noch Abwehrkämpfe.

Januar 1998

Sie haben etwa 59% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 41% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo