Ausgabe September 1998

Dichtung und Wahrheit in der Reformdebatte

Zur Steuerbelastung deutscher Kapitalgesellschaften und ihren Gestaltungsmöglichkeiten

"Deutsche Unternehmen zahlen weltweit die höchsten Unternehmenssteuern." - Zitat aus "Benchmarking im internationalen StandortWettbewerb", einer Fibel des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zum Wahljahr 1998. 1) "Was die Besteuerung von Unternehmen angeht, ist Deutschland nach Italien von allen großen Industrie-Nationen der ungünstigste Standort." - Zitat aus "Vermutungen und Fakten über die Gewinne der Unternehmen", einer Broschüre des Instituts der Deutschen Wirtschaft zum Wahljahr. 2) Am 1. Advent letzten Jahres machte die "Welt am Sonntag" gar mit der Schlagzeile "Dramatischer Appell der Wirtschaft: Steuern senken" auf. In dem eigentümlichen Duktus, den dieses Presseorgan bevorzugt, war zu lesen: "In einem Welt am Sonntag exklusiv vorliegenden eindringlichen Appell fordern Deutschlands Wirtschaftsführer Regierung und Opposition auf, die verhängnisvolle Abwärtsspirale von hohen Steuern, niedrigen Investitionen, steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Steuereinnahmen zu durchbrechen." Hans Olaf Henkel, Präsident des BDI, Krupp-Chef Cromme, Tyll Necker, Arend Oetker und VW-Chef Piech, sowie leitende Herren der Firmen Siemens, Voith und Henkel haben den flammenden Appell unterzeichnet. Wer die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit ernst nehme, müsse die Unternehmen steuerlich entlasten.

September 1998

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