Ausgabe September 1998

Sind die Lohnnebenkosten wirklich zu hoch?

Bei der Diskussion um die Höhe der Lohnnebenkosten ist mehr Differenzierung und Wissenschaftlichkeit und weniger Populismus angebracht. Ob sie zu hoch sind und darüber hinaus eine Absenkung mehr Beschäftigung schafft, wie von allen Parteien und Arbeitgeberverbänden behauptet wird, ist so ohne weiteres nicht eindeutig. Vor allem sind hierzu die makroökonomischen Umverteilungswirkungen, die wiederum Rückwirkungen auf Wachstum und Beschäftigung haben, zu untersuchen und entsprechend zu beachten. Ohne auf eine Erklärung von Definitionen und Abgrenzungen zwischen dem direkten leistungsbezogenen Arbeitsentgelt und den Lohnnebenkosten (die übrigens in der gesamten Literatur nicht eindeutig und klar sind) näher einzugehen, muß zunächst einmal festgestellt werden, daß die empirische Darstellung der Lohnnebenkosten als Quotenausdruck in der allgemeinen Öffentlichkeit auf einer mathematisch unechten Quote basiert. Quoten von rund 80% - bezogen auf das direkte Arbeitsentgelt - suggerieren dabei einen falschen Tatbestand. Bezieht man zur Quotenbildung dagegen richtigerweise die Lohnnebenkosten auf die Basis der gesamten Personalkosten und nicht nur wie bei der unechten Quote auf das direkte Arbeitsentgelt, so ist die Quote entsprechend geringer und wesentlich undramatischer als in der Regel dargestellt.

September 1998

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema