Ausgabe August 1999

Revolution und Republik

Die Weimarer Reichsverfassung im Rückblick

Am 31. Juli 1919 verabschiedete die Weimarer Nationalversammlung die Reichsverfassung, die am 11. August gleichen Jahres in Kraft trat und in Deutschland die parlamentarische Demokratie verankerte. Nachstehend analysiert Norman Paech die Weimarer Verfassung nebst der in ihr enthaltenen antiparlamentarischen Optionen, deren Nutzung lange vor der nationalsozialistischen Machtergreifung das Ende der Republik avisierte. - D. Red. Welchen Grund gibt es, nach fünfzig Jahren Grundgesetz auch des 80. Jahrestages einer Verfassung zu gedenken, die keine fünfzehn Jahre der Realität standgehalten hat? Ich kann mich nicht erinnern, daß es vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren in der Bundesrepublik Veranstaltungen zur Würdigung der Weimarer Reichsverfassung gegeben hätte. Aber vielleicht ist es die nachwirkende Enttäuschung über eine Verfassungsdebatte im frisch vereinigten Deutschland, die nichts anderes gebracht hat als die Demütigung eines Enthusiasmus, der aus Art. 146 GG das Werk einer neuen Verfassung - "von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen" - in Angriff nehmen wollte, und von den Bonner Technikern schließlich in den bürokratischen Bei- und Abtritt des Art. 23 GG gezwungen wurde?

Erinnern wir uns, der Verfassungsenthusiasmus kam aus dem Osten unseres Landes, nur von einigen unverbesserlichen Optimisten des Fortschritts im Westen unterstützt.

August 1999

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.