Die Deutung des hessischen Wahlergebnisses wird zum Austragungsgelände strategischer und taktischer Differenzen. Gerhard Schröder fordert: "In der Politik der Grünen brauchen wir mehr Fischer, weniger Trittin" und verordnet der Koalition insgesamt als "Konsequenz aus zu hohem Tempo in der Vergangenheit" "Ruhe und sorgfältige Vorbereitung" 1) Jürgen Trittin kontert mit einem Verweis auf die "zwei Optionen", die innerhalb der SPD miteinander "ringen", und beruft sich auf Oskar Lafontaines Warnung vor Gedankenspielen, "mit der FDP die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer zu machen". 2) Heribert Prantl konstatiert: "Den Schaden tragen die Grünen Sie, nicht die Sozialdemokraten, läßt der Wähler büßen für die ersten hundert Tage". "Grün büßt für die schlechten Zensuren, die der Bonner Koalition landauf landab nach den hundert Tagen erteilt worden sind. Das Lob, das es auch gibt, läuft eher auf die Mühlen der Sozialdemokratie." 3) Georg Fülberth rät zu Unaufgeregtheit: Hessenwahlen seien immer schon "Konter-Wahlen" gewesen, das Ergebnis sei denkbar knapp und die hessische Koalition sowieso inhaltlich am Ende gewesen. Bundespolitisch sieht Fülberth allerdings einen "Befreiungsschlag für Gerhard Schröder.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.