Die Deutung des hessischen Wahlergebnisses wird zum Austragungsgelände strategischer und taktischer Differenzen. Gerhard Schröder fordert: "In der Politik der Grünen brauchen wir mehr Fischer, weniger Trittin" und verordnet der Koalition insgesamt als "Konsequenz aus zu hohem Tempo in der Vergangenheit" "Ruhe und sorgfältige Vorbereitung" 1) Jürgen Trittin kontert mit einem Verweis auf die "zwei Optionen", die innerhalb der SPD miteinander "ringen", und beruft sich auf Oskar Lafontaines Warnung vor Gedankenspielen, "mit der FDP die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer zu machen". 2) Heribert Prantl konstatiert: "Den Schaden tragen die Grünen Sie, nicht die Sozialdemokraten, läßt der Wähler büßen für die ersten hundert Tage". "Grün büßt für die schlechten Zensuren, die der Bonner Koalition landauf landab nach den hundert Tagen erteilt worden sind. Das Lob, das es auch gibt, läuft eher auf die Mühlen der Sozialdemokratie." 3) Georg Fülberth rät zu Unaufgeregtheit: Hessenwahlen seien immer schon "Konter-Wahlen" gewesen, das Ergebnis sei denkbar knapp und die hessische Koalition sowieso inhaltlich am Ende gewesen. Bundespolitisch sieht Fülberth allerdings einen "Befreiungsschlag für Gerhard Schröder.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.