Ausgabe August 2000

Frischer Wind in der Bundeszentrale?

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in den vergangenen Jahren eine geruhsame Zeit verbracht. Damit ist es nun vorbei. Innenminister Otto Schily, dem nun wirklich nicht nachgesagt wird, er sehe alles anders als sein Vorgänger, hat sich entschlossen, die seinem Ministerium nachgeordnete Behörde von Grund auf umzubauen und neue Arbeitsschwerpunkte zu setzen. Er folgt damit dem Petitum vieler Abgeordneter, die eine Neuausrichtung fordern. Unmittelbar nach der Bundestagswahl 1998 gab es die Forderung, die Bundeszentrale dem Einfluß des Innenministeriums zu entziehen und dem Bildungsministerium zuzuordnen. Der designierte Innenminister wehrte sich dagegen. Viele befürchteten in der Folgezeit, dass die administrativen Verflechtungen zwischen Innenministerium und nachgeordnetem Bereich zu dicht seien, um tatsächlich etwas zu bewegen. Heute zeigt sich, wie unbegründet solche Befürchtungen gewesen sind.

Die Bundeszentrale für politische Bildung arbeitet auf Basis eines Erlasses des Innenministers. Die Entscheidungsbefugnisse liegen daher bei der Exekutive. Das Kuratorium, in dem alle Fraktionen entsprechend ihrer Stärke vertreten sind, berät - ergänzt durch den Wissenschaftlichen Beirat - die Bundeszentrale und vermittelt, wo dies notwendig ist, zwischen Regierung und Behörde.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.