Ausgabe Februar 2000

Die unverdorbene Generation

Wo sind all die "Jungen Wilden" hin? Wo sind sie geblieben? Das fragt man sich, denkt man an all jene Jungfunktionäre, die noch vor kurzem so lauthals und parteiübergreifend den generationellen Aufstand probten. Wann, wenn nicht jetzt, böte sich den auch nicht mehr ganz jungen Verbalradikalen aller Parteien die Chance, mit der "Berliner Republik" als einem Generationsprojekt aus ihrer Nischenexistenz heraus und in die Vorhand zu kommen? Tatsächlich ist in der CDU die Generationsdebatte entbrannt. Auf die Kohlsche Verfinsterung der christlich-demokratischen Zukunft folgte der Kälteschock der Schäubleschen Enthüllung. Seither bewegt vor allem eine Frage: Wer übernimmt die Führung in der CDU? Hatte es hinter Kohl stets Schäuble als Kronprinzen gegeben, steht die Partei nun völlig kopflos dar. Mehr noch: Die CDU scheint den Domino-Effekt zu fürchten. Mit Schäuble ist das System Kohl nicht länger auf den Altkanzler reduziert, und die ganze Generation der Ziehkinder des Patriarchen gerät in den Ruch der Kontaminierung, von Rühe bis Rüttgers. Eigentlich der ideale Zeitpunkt für die Enkel, jene ominösen jungen Wilden, aus der Deckung zu kommen, sollte man meinen. Doch keiner von ihnen unternimmt ernsthafte Anstalten, einen Führungsanspruch geltend zu machen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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