Ausgabe Juni 2000

Irrwege der Ökonomen

Zu den merk-würdigeren Events der Jahrhundertwende gehörte eine Zusammenkunft der American Economic Association (AEA), die vom 7 bis 9. Januar in Boston stattfand. Im Zentrum ihres Millenniumsprogramms standen weltpolitische Probleme, insbesondere Finanzkrisen (wie die asiatische) und das Scheitern der sogenannten wirtschaftlichen Transformation (in Rußland beispielsweise). So demonstrativ Veranstalter und Teilnehmer ihre Relevanz herausstrichen, so sehr sprang doch ins Auge, das irgend etwas nicht stimmte. Unter den anwesenden Wissenschaftlern fand sich kaum einer, von dem man jemals Kritik an jenen Institutionen gehört hatte, die uns die Asienkrise und die mißlungene Transformation bescherten. Statt dessen dominierten - Sitzung für Sitzung - die Architekten der herrschenden Weltordnung selbst. Es passiert nicht alle Tage, daß eine so hochkarätige Gruppe zusammenkommt, um vor einem derart verheerenden Panorama eigener Fehlleistungen zu debattieren. Um so erstaunlicher, daß so zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik wie Inflation und Arbeitslosigkeit, Wachstum und Stabilität, Staatshaushalt sowie die (Ungleich-)Verteilung von Einkommen und Vermögen auf der Agenda fehlten. Womit also beschäftigt sich die moderne Ökonomie? Wie es scheint, vor allem mit sich selbst.

Die AEA bietet ihren Mitgliedern eine willkommene Plattform zur Selbstdarstellung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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