collateral: ein Wort, das auf den ersten Blick nichts Böses ahnen läßt: am Rande gelegen, vom Zentrum entfernt, aber mit ihm verbunden; neben-sächlich, jedoch auf die Haupt-Sache bezogen; indirekt, also nicht bedrohlich. Kollateral-Schaden kann vermeintlich heißen: Der Motor ist o.k., der Wagenlenker auch, nur ein Kotflügel wurde beschädigt. Eine zynische Täuschung! In Wahrheit meint Kollateral-Schaden, als sogenannter terminus technicus: Ermordung von Menschen, die, wortwörtlich, Randfiguren sind. Beseitigung von Abfall-Produkten beim großen Aufräumen. Vernichtung von Zivilisten, die, nach dem Verständnis amerikanischer Sprachanalytiker, lediglich BegleitCharakter habe. ("collateral: wesentlich amerikanisch", steht im Wörterbuch.) Der Mensch: ein Neben-Umstand. Ein Stück Haut auf Gebein ohne Seele und Vernunft. Kollateral-Schaden heißt in Wahrheit: Es wurde "Menschenmaterial" vernichtet. Sorry, aber Ölraffinerien und Sendeanlagen sind teurer. Außerdem liegen sie im Zentrum und nicht nur an der Seite, und auch da noch am Rande, wie das wohlfeile Menschenmaterial, das ohnehin leicht kaputtgehen kann. Fazit: Es gibt mörderische Euphemismen. "Endlösung" gehört dazu, aber "Kollateralschaden" auch.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.