Ausgabe März 2000

Von der Kriegspartei zur Nation

Kroatien nach Tudjman

Seit den Wahlen zu Jahresbeginn 2000, der Parlamentswahl am 3. Januar und der Präsidentenwahl am 24. Januar und 7. Februar, ist Kroatien von der Kriegspartei zur Nation geworden. Nicht die Unabhängigkeitserklärung, der erfolgreiche Krieg gegen Jugoslawien oder die Schaffung eines Mehrparteiensystems markiert den Augenblick des historischen Sprungs. Es ist der demokratische Wechsel: Die Wahlen waren der erste Konflikt in der Geschichte, in dem Kroatien nicht Akteur, sondern Schauplatz war. "Kroatien" war bisher stets eine Partei, "Kroatentum" deren Ideologie. Serbien und das Serbentum, bisweilen auch Jugoslawien, "der Balkan" und zuletzt "der Westen", waren ihr dialektisches Gegenstück. Noch vor vier Jahren, bei der Parlamentswahl, war in Kroatien jeder Parteipolitiker zugleich ein Designer des künftigen Parteiensystems Vladimir Seks, der Fraktionschef der bis Anfang Januar 2000 mit absoluter Mehrheit regierenden "Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft" (HDZ), äußerte zum Beispiel mitten im Wahlkampf die Hoffnung, dass die "Sozialdemokratische Partei Kroatiens" (SDP) unter dem heutigen Regierungschef Ivica Racan stärkste Oppositionskraft werden möge.

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