Ausgabe März 2000

Von der Kriegspartei zur Nation

Kroatien nach Tudjman

Seit den Wahlen zu Jahresbeginn 2000, der Parlamentswahl am 3. Januar und der Präsidentenwahl am 24. Januar und 7. Februar, ist Kroatien von der Kriegspartei zur Nation geworden. Nicht die Unabhängigkeitserklärung, der erfolgreiche Krieg gegen Jugoslawien oder die Schaffung eines Mehrparteiensystems markiert den Augenblick des historischen Sprungs. Es ist der demokratische Wechsel: Die Wahlen waren der erste Konflikt in der Geschichte, in dem Kroatien nicht Akteur, sondern Schauplatz war. "Kroatien" war bisher stets eine Partei, "Kroatentum" deren Ideologie. Serbien und das Serbentum, bisweilen auch Jugoslawien, "der Balkan" und zuletzt "der Westen", waren ihr dialektisches Gegenstück. Noch vor vier Jahren, bei der Parlamentswahl, war in Kroatien jeder Parteipolitiker zugleich ein Designer des künftigen Parteiensystems Vladimir Seks, der Fraktionschef der bis Anfang Januar 2000 mit absoluter Mehrheit regierenden "Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft" (HDZ), äußerte zum Beispiel mitten im Wahlkampf die Hoffnung, dass die "Sozialdemokratische Partei Kroatiens" (SDP) unter dem heutigen Regierungschef Ivica Racan stärkste Oppositionskraft werden möge.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.