Ausgabe Mai 2000

Afrikanische Aporien im Zeitalter der Globalisierung

Im Büro der deutsch-nigerianischen Handelskammer in Lagos hängt eine Landkarte von Afrika, auf der die deutschen Handelsvertretungen auf dem Kontinent verzeichnet sind. Das arabische Nordafrika ist dreimal vertreten, hinzu kommen Südafrika und eben Nigeria. Das ganze restliche Afrika: Fehlanzeige. Ein durchaus typisches Bild in Zeiten der Globalisierung, die der Kontinent als Zuschauer erlebt. Je mehr Grenzen zwischen den Industriestaaten fallen, je selbstverständlicher sogenannte emerging markets als Partner im weltweiten Handel akzeptiert sind, desto offensichtlicher werden jene Regionen abgekoppelt, die wirtschaftlich ohne Belang sind. Letzteres gilt für Afrika, vor allem für jenes Afrika südlich der Sahara. Weltpolitisch ist der Kontinent natürlich voll integriert. Die afrikanischen Staaten haben Sitz und Stimme in den internationalen Organisationen: keine Debatte um die Zukunft des Welthandels oder der internationalen Krisenprävention ohne sie.

Aber gerade dadurch, daß Afrika überall dabei ist, wird es sich bewußt, daß es meist bloß am Katzentisch sitzt, ohne wirklichen Einfluß auf die Entscheidungen. Schon früher mußten afrikanische Führer und Intellektuelle eine europäische Sprache beherrschen, um mitreden zu können. (Umgekehrt galt und gilt das natürlich nicht.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.