Ausgabe Mai 2000

Generation auf Widerruf

"Wähl Dir eine Generation", lautet eine beliebte Reihe in den Feuilletons deutscher Zeitungen. Nach den "89ern" (Claus Leggewie), der "Generation Berlin" (Heinz Bude) und der "Generation Golf" (Florian Illies) nun die "Generation 2000"? Vor lauter "Generation" ist von der Jugend in Deutschland kaum noch die Rede. Viele unter den heute 15- bis 24jährigen waren 1989 keine zehn Jahre alt, leben weit weg von Berlin, und die allermeisten von ihnen fahren auch nicht Golf. Jugend 2000 - eine Generation ohne Eigenschaften? Die neue ShellStudie 1) gibt für skandalisierende Schlagzeilen wenig her. Dafür um so mehr für ein Umdenken in den zentralen gesellschaftlichen Politikbereichen Arbeit, Familie und Bildung. Generationen, verstanden als Altersgruppen, die durch gemeinsame Erfahrungen zusammengehalten werden, lassen sich in Zeiten tiefgreifenden Wandels nicht leicht definieren. Eine Jugend, die sich dialogisch begreift, will sich auch nicht definieren lassen.

Die Anforderungen zunehmend globalisierter und individualisierter Gesellschaften werden von ihr pragmatisch und illusionslos erkannt.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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