Ausgabe November 2000

Die Last des langen Lebens. Renten im Reformlabyrinth

Kirchen, Sozialverbände und Rentenversicherungsträger zeigen sich verstört über das neue Konzept zur Altersversorgung. Mit Kampagnen und sogar mit Verfassungsklage gegen die rot-grüne Bundesregierung haben die Gewerkschaften gedroht. Der Plan für eine privat anzusparende Altersvorsorge bei gleichzeitigem Abschmelzen der gesetzlichen Renten gilt ihnen als arbeitnehmer- und rentnerfeindlich zugleich. Auch die Arbeitgeber geben sich hochgradig verärgert – „Rentenpläne lassen Lebensversicherer rotieren“ – und das „Handelsblatt“ vermeldet: „Wirtschaft läuft Sturm gegen Riester“ (28.9.2000). Der Arbeitsminister hingegen sieht sich offenkundig als zupackenden Nothelfer, der entschlossen die unbequemen, aber überfaÅNlligen Konsequenzen aus einer unverrückbaren Wahrheit zieht. Diese Wahrheit ist die so genannte „Rentnerschwemme“. In 30 Jahren seien pro 100 Arbeitnehmer doppelt so viele Rentner zu unterhalten wie heute. Gegenwärtig werden die Beiträge zur Rentenversicherung sofort wieder als Renten an die Ruheständler ausgezahlt. Angespart wird dabei praktisch nichts. Mit diesem „Umlageverfahren“ lebt die gesetzliche Rentenversicherung von der Hand in den Mund und sie lebt damit bislang recht gut. Doch mit der Zwangsläufigkeit eines mathematischen Gesetzes wachsen in den kommenden Jahrzehnten die Beitragslasten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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