Ausgabe November 2000

Die Last des langen Lebens. Renten im Reformlabyrinth

Kirchen, Sozialverbände und Rentenversicherungsträger zeigen sich verstört über das neue Konzept zur Altersversorgung. Mit Kampagnen und sogar mit Verfassungsklage gegen die rot-grüne Bundesregierung haben die Gewerkschaften gedroht. Der Plan für eine privat anzusparende Altersvorsorge bei gleichzeitigem Abschmelzen der gesetzlichen Renten gilt ihnen als arbeitnehmer- und rentnerfeindlich zugleich. Auch die Arbeitgeber geben sich hochgradig verärgert – „Rentenpläne lassen Lebensversicherer rotieren“ – und das „Handelsblatt“ vermeldet: „Wirtschaft läuft Sturm gegen Riester“ (28.9.2000). Der Arbeitsminister hingegen sieht sich offenkundig als zupackenden Nothelfer, der entschlossen die unbequemen, aber überfaÅNlligen Konsequenzen aus einer unverrückbaren Wahrheit zieht. Diese Wahrheit ist die so genannte „Rentnerschwemme“. In 30 Jahren seien pro 100 Arbeitnehmer doppelt so viele Rentner zu unterhalten wie heute. Gegenwärtig werden die Beiträge zur Rentenversicherung sofort wieder als Renten an die Ruheständler ausgezahlt. Angespart wird dabei praktisch nichts. Mit diesem „Umlageverfahren“ lebt die gesetzliche Rentenversicherung von der Hand in den Mund und sie lebt damit bislang recht gut. Doch mit der Zwangsläufigkeit eines mathematischen Gesetzes wachsen in den kommenden Jahrzehnten die Beitragslasten.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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