Der Politikwissenschaftler Graf Kielmannsegg eröffnete 1984 mit einem Referat unter der Überschrift "Adam Smith und Wilhelm von Humboldt, Überlegungen zur Frage, ob mehr Wettbewerb im deutschen Hochschulsystem wünschenswert und möglich ist" 1) auf der Ebene der Westdeutschen Rektorenkonferenz die Diskussion über ökonomische Steuerungsmechanismen im Hochschulbereich. Die seit Ende der 70er Jahre verstärkt geforderte Rückführung der normativen Steuerung erhielt durch die Ökonomisierung des Wettbewerbsbegriffs einen anderen Sinnkontext. Seither geht es nicht mehr vorrangig darum, Gestaltungsspielräume für die Entwicklung von Forschung und Lehre (wieder) herzustellen, sondern Freiräume für Steuerungsmechanismen des Marktes zu schaffen. Während von Kielmannsegg und eine größere Zahl grundsätzlicher Befürworter des marktwirtschaftlichen Wettbewerbsmodells auf die Grenzen der Übertragbarkeit hinweisen 2), existieren auch radikalere Varianten, die Konkurrenz bis hin zur Möglichkeit des Scheiterns im Konkurs fordern.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.