Die Stille nach dem Unfall dauert. Sissi ist von einem Tanklaster überfahren worden, unter den sich Bodo vor seinen Verfolgern verknecht. Bei den Auspuffrohren treffen die künftigen Liebenden sich: Die junge Frau kriegt keine Luft, und er ist sofort mit der richtigen medizinischen Behandlung zur Stelle: Beherzt setzt er ihr mit dem Taschenmesser einen Schnitt in die Luftröhre, und daß sowas Tracheotomie heißt, weiß er vielleicht sogar auch. Der sonst eher selten fällige Eingriff dient hier der spektakulären Inszenierung einer Liebes-Geburt, skurril und realistisch zugleich, mit Stöhnen, Blutspritzern und Flüstermonolog. Und obwohl die Frau bei der Begegnung nicht ganz bei sich ist, hat sie Feuer gefangen und kämpft nun beharrlich den ganzen Film lang um den Mann, oder besser: um die Erfüllung ihres Liebesschicksals, weil, so der Regisseur, "jemand, der liebt, eine wahnsinnige Kraft und beinahe Penetranz entwickeln kann, wenn es darum geht, die Barrieren des anderen zu überwinden, die Verweigerung zu brechen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.