Ausgabe November 2000

Eine Liebe in Wuppertal

Die Stille nach dem Unfall dauert. Sissi ist von einem Tanklaster überfahren worden, unter den sich Bodo vor seinen Verfolgern verknecht. Bei den Auspuffrohren treffen die künftigen Liebenden sich: Die junge Frau kriegt keine Luft, und er ist sofort mit der richtigen medizinischen Behandlung zur Stelle: Beherzt setzt er ihr mit dem Taschenmesser einen Schnitt in die Luftröhre, und daß sowas Tracheotomie heißt, weiß er vielleicht sogar auch. Der sonst eher selten fällige Eingriff dient hier der spektakulären Inszenierung einer Liebes-Geburt, skurril und realistisch zugleich, mit Stöhnen, Blutspritzern und Flüstermonolog. Und obwohl die Frau bei der Begegnung nicht ganz bei sich ist, hat sie Feuer gefangen und kämpft nun beharrlich den ganzen Film lang um den Mann, oder besser: um die Erfüllung ihres Liebesschicksals, weil, so der Regisseur, "jemand, der liebt, eine wahnsinnige Kraft und beinahe Penetranz entwickeln kann, wenn es darum geht, die Barrieren des anderen zu überwinden, die Verweigerung zu brechen.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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