In der Bundesrepublik Deutschland nimmt nur gut 1% der Männer Erziehungsurlaub in Anspruch, die Betreuung von Kleinkindern ist hierzulande noch überwiegend Frauensache. 1) Manche mögen dies für den Normal- oder gar Naturzustand halten, in anderen Ländern sind Männer in Familienfragen jedoch weitaus engagierter: In Schweden zum Beispiel nutzen sie immerhin rund zwölf Prozent der gesamten für den Elternurlaub zur Verfügung stehenden Zeit. In fast allen skandinavischen Ländern gibt es ausschließlich für Männer bestimmte Zeiträume des Elternurlaubs, die von diesen in Anspruch genommen werden müssen. Mit Einführung dieser verpflichtenden Väter-Quoten ist der Anteil derjenigen, die sie nutzen, etwa in Norwegen von 2% auf 70% angestiegen - und dies, obwohl die finanziellen Ersatzleistungen der Männer in diesem Land jeweils am Verdienst der Ehepartnerinnen, die überwiegend Teilzeitarbeit arbeiten, bemessen werden. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang, das Recht auf Elternurlaub - zur Zeit ein von der Mutter abgeleitetes Recht - als eigenständiges Recht des Vaters zu verankern und damit Vaterschaft auch formal aufzuwerten.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.