Ausgabe August 2001

Vorbeugende Kriegspropaganda

Pearl Harbour war, um ein bekanntes Diktum zu paraphrasieren, das Ereignis, das hätte erfunden werden müssen, wenn es nicht passiert wäre: Der "feige Überfall" auf die US-amerikanische Militärbasis auf den Hawaii-Inseln lieferte endlich den Vorwand für den längst vorbereiteten Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg: Alle Instanzen waren so perfekt eingestellt auf jenen "definite threat", den die Regierung als Bedingung für das Losschlagen gestellt hatte, daß seither die These von der kompletten Überrumpelung immer wieder Zweifel weckte. So kam nach dem Krieg ans Licht, daß die US-Abwehr sehr wohl von der in Richtung Hawaii ausgelaufenen japanischen Flotte wußte und jede ihrer Bewegungen verfolgte. Viele weitere Indizien stützen die These, die USA hätten mit der Attacke gerechnet und mehr als 2 000 tote amerikanische Soldaten in Kauf genommen, um endlich die Antikriegsstimmung in der Bevölkerung auszuschalten. Die offizielle Lesart wurde allerdings nie revidiert.

Eine ähnliche Unklarheit besteht auch in bezug auf die Landung in der Normandie, und der Vorwurf, man hätte die GIs aufgrund unzulänglicher Vorbereitungen zu Tausenden "verheizt", ist indirekt in dem Film Saving Private Ryan zu einer Bilderorgie von deprimierenden Szenen eines sinnlosen Blutbades verarbeitet worden.

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ein Jahr der Erkenntnisse

von Blätter-Redaktion

Für den deutschen Journalismus war 2019 ein annus horribilis. Zunächst bescherte die Affäre um den ehemaligen „Spiegel“-Reporter Claas Relotius den Medien einen weiteren erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust.