Ausgabe Dezember 2001

Die Rückkehr der Friedensbewegung

Dem Erschrecken und der tiefen Betroffenheit nach den monströsen Anschlägen vom 11. September folgte bald der politische Alltag: Während sich die politische Klasse hier zu Lande daran machte, lang gehegte Wünsche und seit dem deutschen Herbst liegen gebliebene Pläne zur Verschärfung des Ausländerrechts, der Ausweis- und Passgesetze, des Vereinsgesetzes oder des Verfassungsschutzgesetzes zu verwirklichen, bereiteten die USA konzentriert und planmäßig - und insoweit "besonnen" ihren Feldzug gegen den Terrorismus vor, der sich zuallererst gegen Afghanistan richten sollte. Alle Aufrufe aus Kreisen kritischer Wissenschaftler, Publizisten, Schriftsteller und des alternativen politischen Spektrums hatten ebenfalls "Besonnenheit" eingefordert, weil man - nicht ganz ohne Grund - den USA und ihrem von Gerichts wegen eingesetzten Präsidenten allerhand unbesonnene Vergeltungsaktionen zutraute.

George Bush jr. reagierte nicht nach "Cowboymanier". Er ließ sich Zeit, um den vermeintlichen Herd und Zufluchtsort des weltweiten Terrorismus à la al Qaida politisch zu isolieren und militärisch einzukreisen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Kundgebung/Menschenkette um den Kölner Dom Frauen-Initiative Maria 2.0

Bild: imago images / Herbert Bucco

Maria 2.0: Götterdämmerung auf Katholisch

von Britta Baas

Die Initiative Maria 2.0 will in der katholischen Kirche das Unterste zu oberst kehren. Die Aktivistinnen wissen: An der Frauenfrage hängt die Reform der Kirche. Und ihre Lösung bedeutet den Untergang der alten katholischen Welt – und markiert den Aufbruch in eine neue Zeit.

Frau und Mann demonstrieren mit Sardinen

Bild: imago images / Independent Photo Agency Int.

Sardinen gegen Salvini: Protest auf Italienisch

von Andrea Affaticati

Mit diesem Sardinenschwarm, der von Tag zu Tag größer wird und sich von Nord nach Süd über ganz Italien erstreckt, hatte niemand gerechnet. Und schon gar nicht die Politiker. Seit Jahren gab es kein Aufbäumen mehr in der Zivilgesellschaft, als sei diese in Schockstarre verfallen.

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

Bild: imago images / Kyodo News

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

von Julia Schweers

Ob in Hongkong, Lateinamerika oder dem Mittleren Osten – überall begehren vor allem junge Menschen gegen ihre Regierungen auf. Weniger Beachtung findet dagegen die Tatsache, dass auch in Afrika der Frust der Jugendlichen immer stärker wächst.

Bild: imago images / Xinhua

Libanon: Revolution gegen den Kollaps

von Inga Hofmann

Es ist ein Aufruhr von unten: Gut sechs Millionen Menschen leben im Libanon. Rund ein Viertel von ihnen geht seit Mitte Oktober Abend für Abend auf die Straße. Proteste dieser Größenordnung gab es zuletzt im Jahr 2005, als Hunderttausende den Rückzug der Besatzungsmacht Syrien verlangten.