Ausgabe Juni 2001

Neues vom Moralmarkt

Alle tun es: Der Papst für die Inquisition und für die Kreuzzüge, Bill Clinton (im Namen des "Westens"!) für die Sklaverei, der Bundespräsident in Griechenland für die dort von Deutschen begangenen NS-Verbrechen, der Außenminister für die Prügel, die er einem Ordnungshüter verabreicht hat (in seiner, des Außenministers, zurückliegenden Eigenschaft als Straßenkämpfer), die PDS für den "Anschluß", den 40 Jahre vor Anschluß der DDR ihre "Vorgänger" der SPD verordnet hatten. Andere sollen es tun, wollen aber nicht so recht: Die Regierung Australiens bei den Ureinwohnern, Chirac und Jospin beim algerischen Volk für die Verbrechen während des Algerienkrieges, Japan bei den Koreanern für die "Trostfrauen", und auf die Entschuldigung der PDS in Sachen SPD-Anschluß folgt prompt die Forderung, die SPD solle sich gefälligst endlich für die von ihr zu verantwortenden Berufsverbote entschuldigen. Wieder andere hängen sich an den rollenden Wagen und publizieren wöchentlich eine (mehr oder minder ernst gemeinte) Entschuldigung bei einer Person des "öffentliches Lebens", der wirklich oder vermeintlich Unrecht geschehen ist (wie die "Süddeutsche Zeitung").

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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