Alle tun es: Der Papst für die Inquisition und für die Kreuzzüge, Bill Clinton (im Namen des "Westens"!) für die Sklaverei, der Bundespräsident in Griechenland für die dort von Deutschen begangenen NS-Verbrechen, der Außenminister für die Prügel, die er einem Ordnungshüter verabreicht hat (in seiner, des Außenministers, zurückliegenden Eigenschaft als Straßenkämpfer), die PDS für den "Anschluß", den 40 Jahre vor Anschluß der DDR ihre "Vorgänger" der SPD verordnet hatten. Andere sollen es tun, wollen aber nicht so recht: Die Regierung Australiens bei den Ureinwohnern, Chirac und Jospin beim algerischen Volk für die Verbrechen während des Algerienkrieges, Japan bei den Koreanern für die "Trostfrauen", und auf die Entschuldigung der PDS in Sachen SPD-Anschluß folgt prompt die Forderung, die SPD solle sich gefälligst endlich für die von ihr zu verantwortenden Berufsverbote entschuldigen. Wieder andere hängen sich an den rollenden Wagen und publizieren wöchentlich eine (mehr oder minder ernst gemeinte) Entschuldigung bei einer Person des "öffentliches Lebens", der wirklich oder vermeintlich Unrecht geschehen ist (wie die "Süddeutsche Zeitung").
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.