Ausgabe Juni 2001

Ohne Gnade

Daß das Thema heikel ist, erfuhr RTL schon vor der Ausstrahlung: Durch Unterlassungsanträge sollte die Sendung des Fernsehspiels Todesstrafe - Ein Deutscher hinter Gittern (16.5.2001) verhindert werden. Eine vermutete zu große Ähnlichkeit der fiktiven Erzählung mit seinem realen Fall könnte, so befürchtete der seit 1988 in Miami auf seine Hinrichtung wartende mutmaßliche Mörder Dieter Riechmann, das Wiederaufnahmeverfahren negativ beeinflussen. Seine Reaktion beweist: Die erzählte Geschichte ist aktuell und politisch brisant. Corinna, eine junge und karrierebewußte Reporterin, erhält den Auftrag, den in der Todeszelle einsitzenden Deutschen Klaus Jansen zu interviewen und daraus eine Artikelserie zu machen. Jansen hat angeblich vor sieben Jahren seine Frau ermordet und soll aufgrund eines Indizienurteils in einer Woche hingerichtet werden. Er beteuert seine Unschuld, aber Hinweise, die zu seinen Gunsten gewertet werden könnten, erschienen dem Gericht nur als Maßnahmen des Täters zur Irreführung der Polizei.

Der Fortgang scheint klar: Corinna beginnt, an Jansens Unschuld zu glauben, ein persönliches Verhältnis entsteht, und statt der Reportage schreibt sie das Gnadengesuch. Aber von nun an läuft es anders als erwartet. Der eindeutige Unschuldsbeweis taucht nicht auf, der Todeskandidat wird hingerichtet.

Sie haben etwa 30% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 70% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.