Ausgabe März 2001

Die Ruhe nach dem Sturm

Die 68er-Opposition, die 70er Jahre, der Terrorismus - diese Trendthemen kommerziell ausschlachten zu wollen, kann man Christian Petzolds neuestem Werk das als Parallele zu Schlöndorffs Die Stille nach dem Schuß gehandelt wird, nicht vorwerfen. Denn dazu ist Die innere Sicherheit ein viel zu ruhiger, leiser Film. Er erzählt vom Leben im Untergrund, das eine Familie 15 Jahre "danach" führen muß, weil die Eltern von der Polizei gesucht werden. Sie können sich eben nicht, wie es eine Utopie der radikalen Verweigerung von Staat und Autorität einmal glauben machen wollte, "wie ein Fisch im Wasser" in der Bevölkerung bewegen, die Unterstützer wenden sich ab oder werden verhaftet, die vergrabenen Gelddepots reichen nicht mehr lange.

Es braucht eine kleine Weile, bis man merkt, daß der Titel erst in zweiter Linie jenes Schlagwort meint, mit dem die Hatz auf Terroristen und ihr Umfeld, die Verfolgung jeglichen abweichenden Denkens damals legitimiert wurde. Der Film interessiert sich eher für den Verlust der inneren Sicherheit seiner Protagonisten und die Folgen für ihr Zusammenleben.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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