Ausgabe November 2001

Die Silhouette von New York

Dabei wissen wir doch: Auch der Haß gegen die Niedrigkeit Verzerrt die Züge. Auch der Zorn über das Unrecht Macht die Stimme heiser. Ach, wir Die wir den Boden bereiten wollten für die Freundlichkeit Konnten selber nicht freundlich sein. Bertolt Brecht, An die Nachgeborenen

Der Leitartikler der FAZ schien erleichtert. Der Kampf gegen den Terrorismus sei "aus einer beinahe unwirklichen Phase eines gespannten Wartens herausgetreten". 1) Das e n d l i c h verkniff er sich; die Suggestion reichte allemal. Es ist Krieg. Und diejenigen, denen das contre coeur geht, die Frieden und nicht noch mehr Opfer wollen, die sich fürchten vor einer militärischen Involvierung deutscher Soldaten, sie werden gebraucht, möglicherweise dringender als in den zwei Kriegen zuvor, als es erst gegen Saddam Hussein und ein paar Jahre später gegen Milosevic ging. Der Krieg ist ambivalent angelegt - gegen Osama bin Laden und seine Taliban-Gastgeber, nicht gegen das afghanische Volk, und doch in dem Wissen, dass es zivile Opfer geben wird (und mittlerweile gegeben hat). Und er birgt Eskalationsrisiken besonderer Art. Was geschieht, wenn die talibanisierten Teile der pakistanischen Gesellschaft und ihrer Institutionen den Putschpräsidenten Muscharraf davonjagen, der in diesem Fall das kleinere Übel gewesen wäre? Pakistan besitzt Atomwaffen. Indien ebenso.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema