Ausgabe Oktober 2001

Aufgewärmtes aus der Armenküche

Roland Kochs Rezepte aus Wisconsin

I. Sommerloch und Reiselust

Die Politik im Medienzeitalter folgt merkwürdigen Gesetzen. Da füllt ein deutscher Landesfürst das Sommerloch mit einem Besuch im US-amerikanischen Partner-Gliedstaat, verarbeitet seine Reiseimpressionen sodann in mehreren öffentlichen Stellungnahmen 1), und keine zwei Wochen später debattiert bei uns alle Welt über das Sozialhilfe-Modell Wisconsins. Gewiß, auch schon früher wurde hierzulande immer wieder einmal bemerkt, daß es selbst in den USA Sozialpolitik gibt. Allerdings interessierten sich vorwiegend die esoterischen Zirkel vergleichender Politik- oder Rechtswissenschaftler, nur selten reichte es für eine Meldung oder gar einen Kurzkommentar in der Tagespresse. Das ist nun - Koch sei Dank - ganz anders. Seitenlange Berichte in den großen deutschen Zeitungen 2) zeugen davon, daß eine Heerschar deutscher Journalisten über das ansonsten eher dünn bevölkerte Wisconsin hereingebrochen sein muß.

Aber nicht nur das Interesse, auch der Blickwinkel ist neu. Denn bisher bewegten sich hiesige Betrachtungen der amerikanischen Sozialpolitik irgendwo zwischen Voyeurismus und Selbstbestätigung. Mögen die Amerikaner uns ökonomisch auch vieles voraus haben, im Sozialen zahlen sie dafür - mit Ghettos, Kriminalität, sozialer Kälte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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