Ausgabe Oktober 2001

Aufgewärmtes aus der Armenküche

Roland Kochs Rezepte aus Wisconsin

I. Sommerloch und Reiselust

Die Politik im Medienzeitalter folgt merkwürdigen Gesetzen. Da füllt ein deutscher Landesfürst das Sommerloch mit einem Besuch im US-amerikanischen Partner-Gliedstaat, verarbeitet seine Reiseimpressionen sodann in mehreren öffentlichen Stellungnahmen 1), und keine zwei Wochen später debattiert bei uns alle Welt über das Sozialhilfe-Modell Wisconsins. Gewiß, auch schon früher wurde hierzulande immer wieder einmal bemerkt, daß es selbst in den USA Sozialpolitik gibt. Allerdings interessierten sich vorwiegend die esoterischen Zirkel vergleichender Politik- oder Rechtswissenschaftler, nur selten reichte es für eine Meldung oder gar einen Kurzkommentar in der Tagespresse. Das ist nun - Koch sei Dank - ganz anders. Seitenlange Berichte in den großen deutschen Zeitungen 2) zeugen davon, daß eine Heerschar deutscher Journalisten über das ansonsten eher dünn bevölkerte Wisconsin hereingebrochen sein muß.

Aber nicht nur das Interesse, auch der Blickwinkel ist neu. Denn bisher bewegten sich hiesige Betrachtungen der amerikanischen Sozialpolitik irgendwo zwischen Voyeurismus und Selbstbestätigung. Mögen die Amerikaner uns ökonomisch auch vieles voraus haben, im Sozialen zahlen sie dafür - mit Ghettos, Kriminalität, sozialer Kälte.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.