Ausgabe Oktober 2001

Aufgewärmtes aus der Armenküche

Roland Kochs Rezepte aus Wisconsin

I. Sommerloch und Reiselust

Die Politik im Medienzeitalter folgt merkwürdigen Gesetzen. Da füllt ein deutscher Landesfürst das Sommerloch mit einem Besuch im US-amerikanischen Partner-Gliedstaat, verarbeitet seine Reiseimpressionen sodann in mehreren öffentlichen Stellungnahmen 1), und keine zwei Wochen später debattiert bei uns alle Welt über das Sozialhilfe-Modell Wisconsins. Gewiß, auch schon früher wurde hierzulande immer wieder einmal bemerkt, daß es selbst in den USA Sozialpolitik gibt. Allerdings interessierten sich vorwiegend die esoterischen Zirkel vergleichender Politik- oder Rechtswissenschaftler, nur selten reichte es für eine Meldung oder gar einen Kurzkommentar in der Tagespresse. Das ist nun - Koch sei Dank - ganz anders. Seitenlange Berichte in den großen deutschen Zeitungen 2) zeugen davon, daß eine Heerschar deutscher Journalisten über das ansonsten eher dünn bevölkerte Wisconsin hereingebrochen sein muß.

Aber nicht nur das Interesse, auch der Blickwinkel ist neu. Denn bisher bewegten sich hiesige Betrachtungen der amerikanischen Sozialpolitik irgendwo zwischen Voyeurismus und Selbstbestätigung. Mögen die Amerikaner uns ökonomisch auch vieles voraus haben, im Sozialen zahlen sie dafür - mit Ghettos, Kriminalität, sozialer Kälte.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema