Ausgabe September 2001

Die Amerikaner empfinden sich als Nachfolger Roms

Strategische Konfliktmuster auf dem Balkan Blätter-Gespräch mit Willy Wimmer

Blätter: Da hat die NATO massiv interveniert, Jugoslawien bombardiert, das Kosovo-Protektorat eingerichtet, Milosevic sitzt im Haag ein - aber auf dem Balkan geht es immer weiter. Wieso? Jetzt knallt es in Mazedonien - vorher hatten wir die albanischen Terroristen in der demilitarisierten Zone unter den Augen der NATO, davor die - man muß wohl sagen: - Farce einer Entwaffnung der UÇK im Kosovo selbst und, ebenfalls unter den Augen der NATO, die Vertreibung der Serben, Roma, Juden, verschiedener Minderheiten, die Bedrängnis der katholischen Albaner und so weiter. Wie oft kann man in aller Unschuld den gleichen Fehler wiederholen? Die offiziellen Erklärungen zum Umgang mit Mazedonien und mit der geplanten Operation "Essential Harvest" beleidigen den gesunden Menschenverstand. Es stellt sich die Frage, ob hinter der Serie vermeintlicher Irrtümer und Versäumnisse, Fehltritte und Entgleisungen, Pech und Tragik auf dem Balkan vielleicht doch ein Muster steckt. Sie, Herr Wimmer, gehen davon aus, daß es, zumindest auf amerikanischer Seite, eine langfristige Strategie gibt, die Schritt für Schritt umgesetzt wird. - Eine gewagte These, mit der Sie sicherlich ungläubige Mienen und betretene Reaktionen ernten...

Wimmer: Um bei letzterem anzufangen: Nein, überhaupt nicht. Die Reaktionen sind hochinteressant. Ich stoße keineswegs auf Ungläubigkeit und erstaunte Gesichter.

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