Ausgabe April 2002

Das Zeitalter der ethnischen Konflikte

Das Zeitalter der ethnischen Konflikte hat die Ära des Kalten Kriegs abgelöst: Während bis Ende der 80er Jahre "ethnische Konflikte" in den Medien nahezu unbekannt waren, stieg "Ethnizität" in den 90er Jahren zur beherrschenden Interpretationsformel von Konflikten auf. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit einhergehende Abgesang auf die herrschende Weltordnung bereiteten das Feld für die Vorstellung, dass die gesamte Welt von ethnischen Konflikten erschüttert wird: Zunächst Nagorny-Karabach, dann Abchasien, Slowenien, Kroatien, Angola, Bosnien-Herzegowina, Ruanda, Chiapas, Somalia, Tschetschenien, Zaire, Kosovo, Molukken und Mazedonien, um nur einige zu nennen. Auch den Afghanistankonflikt, der durch die Anschläge des 11. September wieder ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung rückte, identifizierten Medien und Politiker als einen "ethnischen", obgleich sich die "Beteiligten" nicht einmal ethnisch definierten. Es scheint geradezu so, als ob sich gewaltsame Konflikte auf dieser Welt einer ethnischen Etikettierung gar nicht mehr entziehen können. Im Folgenden will ich eine Annäherung wagen, wie die Konjunktur des Ethnischen zu erklären ist.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.