Ausgabe April 2002

Das Zeitalter der ethnischen Konflikte

Das Zeitalter der ethnischen Konflikte hat die Ära des Kalten Kriegs abgelöst: Während bis Ende der 80er Jahre "ethnische Konflikte" in den Medien nahezu unbekannt waren, stieg "Ethnizität" in den 90er Jahren zur beherrschenden Interpretationsformel von Konflikten auf. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit einhergehende Abgesang auf die herrschende Weltordnung bereiteten das Feld für die Vorstellung, dass die gesamte Welt von ethnischen Konflikten erschüttert wird: Zunächst Nagorny-Karabach, dann Abchasien, Slowenien, Kroatien, Angola, Bosnien-Herzegowina, Ruanda, Chiapas, Somalia, Tschetschenien, Zaire, Kosovo, Molukken und Mazedonien, um nur einige zu nennen. Auch den Afghanistankonflikt, der durch die Anschläge des 11. September wieder ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung rückte, identifizierten Medien und Politiker als einen "ethnischen", obgleich sich die "Beteiligten" nicht einmal ethnisch definierten. Es scheint geradezu so, als ob sich gewaltsame Konflikte auf dieser Welt einer ethnischen Etikettierung gar nicht mehr entziehen können. Im Folgenden will ich eine Annäherung wagen, wie die Konjunktur des Ethnischen zu erklären ist.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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