Ausgabe August 2002

Bildung zwischen Picht und Pisa

Seit von Bildungsforschung und Bildungsplanung ernsthaft gesprochen werden kann, geistert das Unbehagen an den Institutionen und Inhalten von Erziehung, Ausbildung und Bildung durch die Korridore von Universitäten und Ministerien. Von Picht 1) bis Pisa führt eine Spur unrühmlicher Versäumnisse und politischer Gleichgültigkeit. Alle Anläufe, das Bildungssystem der Bundesrepublik einer radikalen, d.h. grundsätzlichen und elementaren Revision zu unterziehen, sind letztendlich an der parteipolitischen und ideologischen Borniertheit staatlich lizensierter Reformkommissionen und Renovierungsbeauftragter gescheitert. Wie sollte es auch anders sein, war doch schon das Gespenst der integrierten Gesamtschule über Jahre Feindbild genug, um mit Klauen und Zähnen das Überkommene - die Dreigliedrigkeit der Schule - zu verteidigen. Bis in die 60er Jahre ließ sich nicht einmal ohne weiterreichende Verdächtigungen der Koedukation das Wort reden.

Und noch der Deutsche Ausschuss für das Erziehungsund Bildungswesen tümelte derart beflissen im bildungsbürgerlichen Idyll, dass seine Empfehlungen heute als Realsatire gelesen werden können. 2) Der erste politische Versuch, in der Bundesrepublik eine systematische Revision von Schule und Ausbildung zu etablieren, findet sich im Bildungsbericht der Bundesregierung von 1970.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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