Ausgabe August 2002

Bildung zwischen Picht und Pisa

Seit von Bildungsforschung und Bildungsplanung ernsthaft gesprochen werden kann, geistert das Unbehagen an den Institutionen und Inhalten von Erziehung, Ausbildung und Bildung durch die Korridore von Universitäten und Ministerien. Von Picht 1) bis Pisa führt eine Spur unrühmlicher Versäumnisse und politischer Gleichgültigkeit. Alle Anläufe, das Bildungssystem der Bundesrepublik einer radikalen, d.h. grundsätzlichen und elementaren Revision zu unterziehen, sind letztendlich an der parteipolitischen und ideologischen Borniertheit staatlich lizensierter Reformkommissionen und Renovierungsbeauftragter gescheitert. Wie sollte es auch anders sein, war doch schon das Gespenst der integrierten Gesamtschule über Jahre Feindbild genug, um mit Klauen und Zähnen das Überkommene - die Dreigliedrigkeit der Schule - zu verteidigen. Bis in die 60er Jahre ließ sich nicht einmal ohne weiterreichende Verdächtigungen der Koedukation das Wort reden.

Und noch der Deutsche Ausschuss für das Erziehungsund Bildungswesen tümelte derart beflissen im bildungsbürgerlichen Idyll, dass seine Empfehlungen heute als Realsatire gelesen werden können. 2) Der erste politische Versuch, in der Bundesrepublik eine systematische Revision von Schule und Ausbildung zu etablieren, findet sich im Bildungsbericht der Bundesregierung von 1970.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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