Ausgabe August 2002

Bubble Press

Ein Gespenst namens Zeitungskrise schwebt durch die Republik. Ob Wochenzeitungen, Lokalzeitungen oder überregionale Titel - die Verlage klagen über sinkendes Anzeigenaufkommen und Auflagenverluste. Dabei steht das Gewerbe so schlecht gar nicht da: Immerhin werden täglich knapp 30 Millionen Blätter verkauft; nahezu jeder deutsche Haushalt bezieht eine Zeitung. Im Boomjahr der so genannten New Economy 1999/2000 hatten die Verlagsmanager kaum Zeit, auf ihre Medienpartys zu gehen, so sehr waren sie auf Grund des exorbitanten Anzeigenwachstums mit dem Geldzählen beschäftigt. Die Kaufleute frohlockten und erfüllten den Chefredakteuren fast je den Wunsch nach neu zu besetzenden Stellen. Redaktionen wurden mit Personal aufgestockt, neue Redaktionen aus dem Boden gestampft. Jeder Verlag, der etwas auf sich hielt, gab gleich zwei bis drei Wirtschaftsblätter heraus. So irrational wie die Aktienkurse kletterten, so irrational kauften die Leute plötzlich Börsenblätter. Im Sog des Aktiensinkfluges verkrümelten sich die Auflagen der Finanzblätter wieder in den Keller. Geprellten T-Aktionären und beschäftigungslosen Finanzberichterstattern beim gemeinsamen Wundenlecken zuzusehen - wer dieses Bild vor zwei Jahren an die Wand gemalt hätte, wäre mit Schimpf und Schande des Landes verwiesen worden.

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