Ausgabe Januar 2002

Kollege Hipster unter Leidensdruck

Gewerkschaften in neuen Unternehmenskulturen

Der Internetbuchhandel Amazon.com ist ein Vorreiter der digitalen Ökonomie. Als "E-Commerce" in Deutschland noch ein Fremdwort war, hatte sich der Online-Versand aus Seattle im US-Bundesstaat Washington längst als internationaler Marktführer etabliert. Mit dem Ende des Börsenbooms wurde Amazon erneut zum Pionier, allerdings auf eher unfreiwillige Weise: Angestellte des Unternehmens kämpften für eine eigene Interessenvertretung - und brachen damit ein Tabu. Denn die IT-Branche gilt, zumindest in den Vereinigten Staaten, als ein Ort, an dem Gewerkschafter nichts zu suchen haben. Seine Mitarbeiter, so hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos stets argumentiert, seien durch ihre Aktienoptionen zugleich Unternehmenseigentümer. Die klassischen Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten deshalb gar nicht erst entstehen.

Doch als die Kursnotierung von Amazon wie die anderer Firmen des Neuen Marktes absackte, kam Unmut auf. Über 80% ihres einstigen Wertes hatten die Papiere innerhalb eines Jahres verloren. Lager- wie Sachbearbeiter beschlich das Gefühl, ein Vermögen verspielt zu haben. Zugleich verschärfte sich wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage der Arbeitsdruck im Betrieb. An die Stelle von frei wählbaren Arbeitszeiten traten zum Beispiel rigide Vorgaben - ohne dass sich an den mageren Stundenlöhnen etwas änderte. "Amazon.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema