Ausgabe Juni 2002

Afghanistan, der Krieg geht weiter

Afghanistan, ein Land nach dem Krieg? Glaubt man dem Zweckoptimismus, den US-Armeesprecher General Bryan Hilferty am 11. März dieses Jahres verbreitete, wäre die Schlacht vorbei und der Kampf gegen Taliban und Al Qaida erfolgreich abgeschlossen. Vor Beginn der "Operation Anaconda" hieß es im Pentagon, es handele sich um eine Schlacht gegen die "letzte große Konzentration" von Bin Ladens Kämpfern. Nach zweiwöchigen Kämpfen um Schahikot in der Provinz Paktika Anfang März, an denen 2500 US-amerikanische, europäische und afghanische Soldaten beteiligt waren, gab das Pentagon offiziell bekannt, von geschätzten über 1000 gegnerischen Kämpfern seien bis zu 800 getötet worden. US-Offiziere, die dabei waren, gaben demgegenüber zu, dass sie im Gelände lediglich dreißig und in den Höhlen weniger als zwanzig Leichen gefunden hätten. Sicher ist wieder einmal nur, dass bei der Operation zahlreiche Zivilisten umkamen.

Bereits am 19. März räumte General Franklin Hagenbeck, der Kommandeur der US-Bodentruppen in Afghanistan, ein, dass weitere Operationen erforderlich seien und unmittelbar bevorstünden. Tatsächlich befinden sich Einheiten von Taliban und Al Qaida im Osten und Süden Afghanistans, unter anderem an der Grenze zu Pakistan.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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