Ausgabe Juni 2002

Afghanistan, der Krieg geht weiter

Afghanistan, ein Land nach dem Krieg? Glaubt man dem Zweckoptimismus, den US-Armeesprecher General Bryan Hilferty am 11. März dieses Jahres verbreitete, wäre die Schlacht vorbei und der Kampf gegen Taliban und Al Qaida erfolgreich abgeschlossen. Vor Beginn der "Operation Anaconda" hieß es im Pentagon, es handele sich um eine Schlacht gegen die "letzte große Konzentration" von Bin Ladens Kämpfern. Nach zweiwöchigen Kämpfen um Schahikot in der Provinz Paktika Anfang März, an denen 2500 US-amerikanische, europäische und afghanische Soldaten beteiligt waren, gab das Pentagon offiziell bekannt, von geschätzten über 1000 gegnerischen Kämpfern seien bis zu 800 getötet worden. US-Offiziere, die dabei waren, gaben demgegenüber zu, dass sie im Gelände lediglich dreißig und in den Höhlen weniger als zwanzig Leichen gefunden hätten. Sicher ist wieder einmal nur, dass bei der Operation zahlreiche Zivilisten umkamen.

Bereits am 19. März räumte General Franklin Hagenbeck, der Kommandeur der US-Bodentruppen in Afghanistan, ein, dass weitere Operationen erforderlich seien und unmittelbar bevorstünden. Tatsächlich befinden sich Einheiten von Taliban und Al Qaida im Osten und Süden Afghanistans, unter anderem an der Grenze zu Pakistan.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.