Ausgabe November 2002

Afghanische Ungewissheiten

Der Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan im November 2001 bot der internationalen Gemeinschaft eine präzedenzlose Chance, in einem ständigen Unruheherd Frieden und Sicherheit wiederherzustellen. Zehn Monate später hat sie allem Anschein nach versagt. Die zunehmende Unsicherheit in Afghanistan, die durch eine Reihe von Anschlägen gegen hochrangige Mitglieder der Zentralregierung und gelegentliche Kämpfe zwischen ethnischen Gruppen gekennzeichnet ist, bringt die Zukunft der neuen Regierung in Gefahr. Die Einsetzung der afghanischen Übergangsregierung unter Präsident Hamid Karsai verband sich mit der Hoffnung und dem Versprechen, dass die Unsicherheit abnehmen würde. Doch obwohl die afghanische Übergangsregierung große Schritte getan hat, sind die Gesetzlosigkeit und Zersplitterung, an denen viele Vorgängerregierungen scheiterten, wieder hervorgetreten. Die Verschlechterung der Sicherheitslage wurde zum Teil dadurch hervorgerufen, dass die größeren Geberstaaten ihre in Afghanistan eingegangenen Verpflichtungen nicht eingehalten haben.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.