Ausgabe November 2002

Schlafende Tiger

Als im September auf einer thailändischen Militärbasis Gespräche zwischen der Regierung Sri Lankas und den Liberation Tigers of Tomil Eelum (LTTE) stattfanden, war es bereits der fünfte Versuch zur Beendigung eines Krieges, der mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet, eine Million Menschen vertrieben, eine weitere Million zur Flucht ins Ausland veranlasst sowie den Norden und Osten des Landes weit gehend verwüstet hat. Doch diesmal konnten die Verhandlungspartner auf besseren Ausgangsbedingungen aufbauen. So gibt es seit Ende Februar einen offiziellen Waffenstillstand, den die Sri Lanka Monitoring Mission unter Beteiligung skandinavischer Militärs überwacht. Wirtschaftsembargos wurden aufgehoben, der Warenverkehr floss wieder. Eine Welle von Touristen, Pilgern und rückkehrwilligen Vertriebenen strömte in die ehemaligen Kriegsgebiete.

Auch die Internationalisierung des Konflikts durch die Vermittlerrolle Norwegens und die Anerkennung der LTTE als einzige authentische Vertretung der Tamilen wirkten sich positiv aus. In den Jahren zuvor waren die Tamil Tigers wegen ihrer Attentate auf zivile Ziele noch als "terroristische Organisation" geächtet worden. Beide Seiten einigten sich auf ein pragmatisches Vorgehen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.