Ausgabe November 2002

Schlafende Tiger

Als im September auf einer thailändischen Militärbasis Gespräche zwischen der Regierung Sri Lankas und den Liberation Tigers of Tomil Eelum (LTTE) stattfanden, war es bereits der fünfte Versuch zur Beendigung eines Krieges, der mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet, eine Million Menschen vertrieben, eine weitere Million zur Flucht ins Ausland veranlasst sowie den Norden und Osten des Landes weit gehend verwüstet hat. Doch diesmal konnten die Verhandlungspartner auf besseren Ausgangsbedingungen aufbauen. So gibt es seit Ende Februar einen offiziellen Waffenstillstand, den die Sri Lanka Monitoring Mission unter Beteiligung skandinavischer Militärs überwacht. Wirtschaftsembargos wurden aufgehoben, der Warenverkehr floss wieder. Eine Welle von Touristen, Pilgern und rückkehrwilligen Vertriebenen strömte in die ehemaligen Kriegsgebiete.

Auch die Internationalisierung des Konflikts durch die Vermittlerrolle Norwegens und die Anerkennung der LTTE als einzige authentische Vertretung der Tamilen wirkten sich positiv aus. In den Jahren zuvor waren die Tamil Tigers wegen ihrer Attentate auf zivile Ziele noch als "terroristische Organisation" geächtet worden. Beide Seiten einigten sich auf ein pragmatisches Vorgehen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.