Ausgabe September 2002

In schlechter Gesellschaft

Horrorszenarien aus der Albtraumfabrik: Terroristen haben sich in Syrien eine von der israelischen Armee liegen gelassene (!) Neutronenbombe besorgt und zerstören damit die Stadt Baltimore. Der Verdacht soll auf die neue russische Regierung fallen, die sich nach dem ungeklärten Tod ihres Präsidenten anscheinend nicht mit der Vorherrschaft der USA abfinden kann. Der CIA-Chef setzt einen jungen Beamten auf die Sache an, und in einer von Russland unterstützten Aktion wird die Terrorgruppe unschädlich gemacht (Sum of All Fears, dt. Der Anschlag, Phil Alden Robinson 2002). New York kann in letzter Minute vor einem Atomangriff bewahrt werden, weil der von Terroristen bei einer Suchaktion getötete CIA-Agent durch seinen Zwillingsbruder ersetzt wird und die Terroristen dingfest machen kann (Bad Company, Joel Schumacher 2002).

Gleich nach 9/11 zog Hollywood mehrere fertige oder in Arbeit befindliche Katastrophenfilme zurück - zu sehr ähnelten ihre Plots dem, was nun plötzlich Wirklichkeit geworden war. Filme wie World War III des Produzenten Jerry Bruckheimer oder Nose Blead (ein einfacher Fensterputzer vereitelt im letzten Moment einen Anschlag auf die Türme des World Trade Centers) wurden aufgegeben, der Start von Collateral Damage mit Arnold Schwarzenegger zunächst abgesagt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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