Ausgabe April 2003

Make law, not war

Hunderttausend Demonstranten waren prognostiziert worden; am Ende gingen fünfhunderttausend am 15. Februar in Berlin gegen einen kommenden Irakkrieg auf die Straße. Die Bundesrepublik erlebte die wohl größte Demonstration ihrer Geschichte; und selbst Springers "Welt", ansonsten klar auf Kriegskurs, musste wohl oder übel eingestehen: "Eine halbe Million ist keine Randgruppe. Eine halbe Million ist ein Politikum." ("Die Welt", 17. 2.)

Wie aber mit diesem Politikum umgehen? Bisher ist eine strategische Debatte über die neue Qualität von Protest durch die Aktivisten noch nicht erkennbar. Anders die Gegenseite. Ihrer Bedeutung entsprechend wurde die Demonstration stante pede massiv rhetorisch bekämpft. Richard Herzinger sah ein Land im "Friedenstaumel" und erhob den alten Vorwurf der Naivität und Weltabgewandtheit: "Maßgebliche Teile der Öffentlichkeit steigerten sich in einen Rausch der Selbstgerechtigkeit und Ignoranz." (www. zeit.de/politik/herzinger_170203). In der "Welt" machte Konrad Adam bereits am Tage der Demonstration, also ohne Anschauung des Ereignisses, geistig mobil und vergatterte die Bewegung auf ihren angeblichen "Fundamentalpazifismus" ("Die Welt", 15. 2.).

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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