Ausgabe August 2003

Streik in Frankreich

So etwas gab es noch nie: Wegen des gemeinsamen Streiks der Techniker und des künstlerischen Personals musste die diesjährige Eröffnungsaufführung beim Theaterfestival in Avignon abgesagt werden. Alle weiteren Veranstaltungen des prestigiösen Kulturereignisses fielen dann ebenfalls aus. Die südfranzösische Stadt und Veranstalter mussten Millioneneinbußen an Tourismuseinnahmen, von der Gastronomie bis zu den Eintrittskarten, hinnehmen.

Dabei handelte es sich nur um den vorläufigen Höhepunkt einer Protestbewegung unter den Kulturschaffenden, die Anfang Juni dieses Jahres begann. Im Zuge der "Austeritätspolitik", die Frankreichs Premier Jean-Pierre Raffarin und sein Wirtschaftsminister Francis Mer seit April dieses Jahres auch offiziell auf die Tagesordnung gesetzt haben, soll die Unterstützung für die so genannten intermittents du spectacle drastisch reduziert werden.

So heißen die – meist diskontinuierlich beschäftigten – Kulturschaffenden, etwa Schauspieler/innen im Theater, aber auch Bühnenbauer und Toningenieur/ innen, die zwischen zwei Aufführungen keine Einnahmen erwerben und deswegen (bisher jedenfalls) nach Sonderregeln aus der Arbeitslosenkasse alimentiert werden.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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