Ausgabe August 2003

Wozu noch Gewerkschaften?

Sind die Gewerkschaften am Ende? Folgt man der herrschenden Meinung, ist die Frage entschieden. Das jedenfalls ist das Bild, das sich täglich bietet: Unbeweglich und betonköpfig blockieren die Gewerkschaften die überfälligen wirtschaftspolitischen Reformen, konservieren in ihren sozialpolitischen Vorstellungen die industrielle Welt von vorgestern, blind gegenüber dem gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel und den Herausforderungen der Zukunft; sie sind fixiert auf eine bornierte Interessenwahrnehmung zugunsten der Arbeitsplatzbesitzer und zu Lasten derer, die als Arbeitslose oder prekär Beschäftigte bereits ausgeschlossen sind, kurz, ein Altherrenclub, über den soeben die Geschichte hinweggeht.

Solches und Ähnliches lesen und hören wir täglich, in den Medien, in der politischen Debatte, neuerdings auch aus sozialdemokratischem Mund. Das Bild ist nicht neu, doch die Einheitlichkeit des Urteils und die Schärfe seines Vortrags sind ungewohnt und lassen schrecken. Da bleibt es nicht aus, dass selbst in den Publikationen für die gebildeten Stände, die an sich einem demokratischen und im besten Sinne liberalen Verfassungsverständnis verpflichtet sind, mal eben Eckpunkte verfassungsrechtlich verbürgter Sozialstaatlichkeit, wie Tarifautonomie und Streikrecht, zur Disposition gestellt werden.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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