Ausgabe Dezember 2003

Optionen nach Cancún

Bei der dramatisch gescheiterten Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) standen zwei große Themen auf der Tagesordnung. Erstens sollten die Minister eine Zwischenbilanz der "Entwicklungsrunde" ziehen, die sie zwei Jahre zuvor in Doha ausgerufen hatten. Dabei ging es allerdings im Wesentlichen nur um weitere Marktöffnungen, vor allem bei Agrarprodukten. Zweitens sollte es in Cancún endlich grünes Licht für Verhandlungen über vier Themen geben, von deren Regelung die Industrieländer sich Chancen für einen neuen Schub bei der Erschließung des Südens erwarteten: Schutz für ausländische Investitionen, Wettbewerb, Öffnung öffentlicher Ausschreibungen für ausländische Bieter und Handelserleichterungen. Die Mehrheit der Entwicklungsländer stand und steht diesen Themen ablehnend gegenüber. Sie befürchten, weitere Zugeständnisse bei diesen Themen würden sie noch stärker in ihren Möglichkeiten beschränken, ihre Wirtschaft souverän und im Interesse des eigenen Landes zu gestalten. Sie bestanden in Cancún vielmehr darauf, dass zunächst einmal die Märkte der Industrieländer in den Bereichen geöffnet werden sollten, in denen der Süden am ehesten konkurrenzfähig ist, vor allem bei Produkten der Landwirtschaft wie Baumwolle und Weizen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Entwicklungspolitik

Deutsch-französischer Wettlauf um Afrika

von Frauke Banse

Auf die Frage, was die „globalen Anfechtungen“ aus China, Russland und den USA mit Europa machen würden, antwortete Angela Merkel jüngst in einem Zeitungsinterview: „Sie fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen. […] Unsere Afrikapolitik folgt inzwischen einer gemeinsamen Strategie, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Tribut für China: Die neue eurasische Weltordnung

von Ulrich Menzel

Erst die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem, dann die Ausrufung des Handelskrieges gegen China und – wenn auch mit Aufschub – gegen Europa und schließlich die Aufkündigung des Iran-Abkommens: Es vergeht kein Tag, an dem der US-Präsident Donald Trump die Welt – und vor allem den europäischen Teil des Westens – nicht mit seinen schei