Ausgabe Februar 2003

Hollywood-Guerilla

Michael Moore wurde in der US-Kleinstadt Flint in Michigan geboren und wuchs als ein „all American kid“ auf: Pfadfinder, Sportfan, Freizeitjäger. In der Highschool initiierte er eine Schülerzeitung, schrieb ein parodistisches Weihnachtsspiel – beide wurden verboten. Eine Weile dachte er daran, Priester zu werden, dann entschied er sich für Journalismus, hielt es aber an der University of Michigan nur ein paar Wochen aus. Er ging zurück, verkaufte das Haus seiner Eltern und organisierte ein wöchentliches Bingo-Spiel. Das Geld steckte er in seine erste Filmdokumentation, einen kritischen Bericht über das traurige Leben in seiner Heimatstadt Flint unter der Herrschaft des ortsansässigen General Motors- Konzerns.

Am 20. April 1999 dringen die beiden Schüler Eric und Dylan in die Columbine High School in Littleton, Colorado, ein und erschießen 12 Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst umbringen. Kurz zuvor hat in Flint ein Sechsjähriger seine gleichaltrige Mitschülerin erschossen. Michael Moore beschließt, eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit in der National Rifle Association (NRA) zu beantragen – die Bedingung, um für den Posten des Vorsitzenden zu kandidieren, der damals (und bis heute) von Charlton Heston, Hollywood- Star und vielfacher Oskarpreisträger, bekleidet wird.

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ein Jahr der Erkenntnisse

von Blätter-Redaktion

Für den deutschen Journalismus war 2019 ein annus horribilis. Zunächst bescherte die Affäre um den ehemaligen „Spiegel“-Reporter Claas Relotius den Medien einen weiteren erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust.