Am US-amerikanischen Wesen soll die Welt wohl von nun an genesen. Die Cowboys in Washington haben ein wachsendes Vergnügen daran zuzuschauen, wie nach und nach die ganze Welt ihren Verstand verliert, oder wenigstens der Teil von ihr, der politische Verantwortung tragen sollte. Der UN-Sicherheitsrat, das höchste Entscheidungsgremium über Krieg und Frieden, das sich die Völker geschaffen haben, lauscht beeindruckt so genannten „Beweisen“, die unfähige Geheimdienste, weil sie keine fanden, aus einer studentischen Arbeit abgeschrieben haben, und sorgenvoll fragen sich die bisherigen Verweigerer, auf unflätige Weise verhöhnt vom US-Verteidigungsminister, bis wann sie noch warten können, ehe der Zug endgültig abgefahren ist. Denn jetzt ist die Zeit der opportunistischen Bekehrungen gekommen: Noch kämpfen einige Regierungschefs, viele aber haben bereits das Stadium der Resignation erreicht und sind auf dem besten Wege, sich in „Verbündete“ zu verwandeln, stets gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Und vielleicht ist ja, wenn dieses Heft erscheint, schon Krieg. Der neue Herr der Welt, ein religiöser Fanatiker, der „komplexe Zusammenhänge“ nicht versteht und deshalb nicht zur Kenntnis nimmt, wird umgeben von einer Gruppe, die schon seit Jahren offen den Krieg propagiert.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.