Ausgabe März 2003

Offener Brief an acht europäische Staats- und Regierungschefs

Ihre Unterstützungserklärung zur Regierungspolitik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Irak wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Solidarität mit unserer Regierung ist etwas anderes als Solidarität mit unserem Volk. In jedem Ihrer Länder lehnt eine Mehrheit die US-Politik gegenüber dem Irak ab. Die Meinungsumfragen in den Vereinigten Staaten zeigen eine tief gespaltene Nation. Bestürzung, Zweifel und Ablehnung gegenüber einem Irakkrieg wachsen rasch. Sicherlich haben Ihre Botschafter Ihnen berichtet, dass in unseren Kirchen, Gemeinden, Schulen und Universitäten, im Kongress und in der Presse ein politischer Sturm aufzieht.

Unter diesen Umständen hat Ihr Ruf nach „Einheit“ mit den Vereinigten Staaten einen seltsam ritualisierten Klang. Echte Einheit könnte aus einem vernünftigen Konsens innerhalb unserer Staaten sowie zwischen uns und dem Großteil der übrigen Welt erwachsen. Aber ebendies hat unser Präsident nicht erreicht. Unsere Staaten haben, wie Sie sagen, gemeinsame demokratische Werte. Aber der britische Premierminister erlaubt es dem Unterhaus nicht, über einen Irakkrieg abzustimmen, sein spanischer Kollege hat nur unter dem Druck einer empörten Öffentlichkeit eine Parlamentsdebatte zugelassen.

Sie haben etwa 22% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 78% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Naher & Mittlerer Osten